07.02.2013 TIK:

Am Glücke klebend –Premiere

Baden-Baden (gib) Rette sich, wer kann! Rette sich, wer kann vor den Stürmen der Verliebtheit, den Wogen, den reißenden Strudeln, dem Tsunami der überwältigenden Emotionen und klammere sich  bei Schiffbruch an die rettende Planke, als könne man am Glücke klebend das rettende Ufer erreichen. Zehn Abiturienten des Leistungskurses „Literatur und Theater“ am Gymnasium Hohenbaden setzten sich unter Leitung ihrer Lehrerin Gabi Weber und der Unterstützung der drei Schauspieler am Theater, Anna Katharina Köpnick, Mattes Herre und Sebastian Mirow, dem Wagnis „Liebeslyrik“ auf hoher See aus. (Wir berichteten) Zwar erlitten sie szenisch Schiffbruch, aber rhetorisch überwanden sie alles Ungemach und verhalfen dem Dichterwort historischer und  aktueller Liebes-Interpretation zu strahlendem Glanz. Mehr als dreißig Gedichte in einen Plot einzufügen, der eine nachvollziehbare Handlung aufweist, war eine der Herausforderungen dieses Projekts. Bevor es zum Crash kommt, fällen von der Liebe Enttäuschte resignierende Urteile über den Alltag in der Partnerschaft.  In einhelligem Urteil stimmen Clara von Harling, Nina Brandt, Lee Mangelsdorf, Sarah Bohe und Julian Skoruppa dem negativen Urteil Anabel Baudistels zu , das sie von Wolf Wondratschek übernahm, bevor sie  sich, den Pachelbel-Kanon präludierend, am Klavier verschanzt. Auch Theresa Ziefle, Moritz Wandler, Tim Bronner und Aina Kaufmann geben ihrem Frust mit Dichters Wort Ausdruck. Der Fluchtweg aus diesem düsteren Gedankensog heißt „Schiffbruch“. Kaum hat Moritz Ferdinand Freiligraths unfrommen Wunsch „Wär ein Schiffer ich, dann wollt‘ ich, so versänke mein Schiff“ ausgestoßen, stürzen die Fluten über die seelisch Waidwunden herein. Doch rettet das Ufer einer Insel die Schiffbrüchigen, die schaudernd, aber lyrisch ausdrucksstark, das Chaos aufarbeiten. Julian klärt die Situation mit Minnesang auf der Trompete, und nach und nach sammeln auch die anderen Gestrandeten neue Kräfte und sondieren ihre Lage. „Der Himmel ist blau, und der Rest deines Lebens wird schön“, beschließt Sarah mit dem Songtext der „Ärzte“. Ganz anders der rasend vor Zorn schäumende Lee, dem die Mädchen erschrocken ausweichen. Vier Jungen, sechs Mädchen, da scheinen Eifersucht und Zicken-Krieg vorprogrammiert. Doch mithilfe von Heinrich Heine, Kästner und Brecht, mit Rilkes und mit Goethes Worten  kanalisieren lyrische  Schleusen die Springflut überbordender Emotionen zu einem warmen vertrauten Strom. Zumal Theresa in Gedanken an ihr geliebtes Fahrrad mit dem Song der „Prinzen“ ihr Herz dem Drahtesel weiht. Musik tröstet und hebt über den Mangel hinweg. Klezmer und Klarinette fordern zum Tanz auf, und Paare finden sich im Reigen. Weiblicher Pragmatismus beim Feuermachen und Evas Verführungskünste beim Kampf um einen Apfel, weisen auf gelebte Emanzipation im Alltag hin. Die Insel ist wohl doch nicht das Glück, an dem sie kleben wollen. Nur Lee und Sarah bleiben dort, nachdem Julian einer pfiffigen Idee folgend, den Weg zurück in die Welt mit Grassoden pflastert. Da bekennt sich auch Sarah: „Ich will mit dem gehen, den ich liebe.“  Der jubelnde Applaus des Publikums im TiK  wird sich erneut am 19. Und 20. Februar einstellen, wenn das Liebeslyrik-„Sternchenthemen“-Projekt im Rahmen des Festivals „Fit fürs Abi in 5 Tagen“ wiederholt werden wird.

BU: Weibliche Verführungskunst spielt in Liebesdingen eine große Rolle.