Sozialpraktikum in Klasse 10

Schule hat laut neuem Bildungsplan von 2004 eine besondere Aufgabe und Verantwortung darin, junge Menschen auf ihre soziale Verantwortung aufmerksam zu machen. Gerade heute, wo man sich Gedanken über den Wert menschlichen Lebens macht und Engagement und Einsatz nicht mehr vom Gefühl, sondern dem Geldbeutel diktiert werden (Was bringt mir das?), halten wir es als Schule für wichtig, den Jugendlichen den Umgang mit anderen Menschen zu ermöglichen. Auf diese Weise können sie bemerken, dass die Erfahrung des Gebraucht-Werdens das eigene Leben spürbar bereichern kann.

Im Rahmen des Sozialpraktikums nehmen unsere Schüler der zehnten Klassen des Gymnasiums eine Woche lang nicht am Unterricht teil, sondern arbeiten sechs bis acht Stunden täglich in einer sozialen Einrichtung mit, so dass die Schüler durch ihre Arbeit neue Erfahrungen sozialen, praktischen und emotionalen Lernens sammeln können.

Die Jugendlichen werden vor dem Praktikum in den verschiedenen Fächern auf diese Woche vorbereitet und vor allem von ihren Religionslehrern begleitet. Die Schüler werden dabei von ihren Lehrern auch zu Pünktlichkeit, Freundlichkeit, korrektem Verhalten und Zuverlässigkeit in den verschiedenen Einrichtungen angehalten.

Der Tagesablauf in einer sozialen Einrichtung wird anfänglich sicher ungewohnt sein und die Jugendlichen zeitweilig auch bis an ihre eigenen Grenzen bringen. Aber das ist ganz normal. Jeder muss sich zunächst an diesen anderen Lebensrhythmus gewöhnen.

Schüler, die eine Woche vor Ort als Praktikanten gearbeitet haben, stufen diese Zeit als großen persönlichen Gewinn ein. Herausgestellt werden von ihnen bei der Nachbereitung die guten Erfahrungen in der Begegnung und Zusammenarbeit mit Kleinkindern, alten, kranken, behinderten oder in Not geratenen Menschen und die Beobachtung, „etwas Wichtiges geleistet” und das „Gefühl, gebraucht zu werden” in stärkerem Maße als sonst erfahren zu haben, wodurch die soziale Sensibilität und das Selbstbewusstsein jedes einzelnen Schülers gestärkt worden sei.

Anja Rieger